Freundschaft, Liebe und Musik: Mit „Für Polina“ ist Takis Würger eine ganz besondere Liebesgeschichte gelungen, die frei von jedem Kitsch ist und trotzdem tief berührt. Sie ist kraftvoll und zugleich zart und einfühlsam wie große Musik.
Hannes Prager, der Protagonist des Romans von Takis Würger, wächst in einer Villa im Moor mit seiner Mutter, einem guten Freund der Familie sowie dem Mädchen Polina auf. Polina ist seine beste und offensichtlich auch einzige Freundin, mit der er alles teilt. Hannes hat Musik und ganze Sinfonien im Kopf – wie andere Menschen Sprache –, denkt aber nicht an die große Musikkarriere, sondern komponiert und spielt nur so zum Spaß Klavier. Ein Spiel, das alle anderen sofort als außergewöhnlich und bezaubernd empfinden. Durch ein großes Unglück muss er die Villa im Moor verlassen und statt Musik zu machen, schleppt er fortan in der Großstadt Klaviere. Er scheint wie gelähmt, macht sich selbst immer unglücklicher und Polina, der wichtigste Mensch in seinem Leben, entgleitet ihm dabei mehr und mehr. Schließlich versteht er, dass er Polina – wenn überhaupt – nur durch Musik zurückgewinnen kann, und zwar durch die Sinfonie, die er eigens für sie komponiert hat.
„Für Polina“ von Takis Würger ist eine der besten Liebesgeschichten, die ich jemals gelesen habe – die Hauptpersonen sind außergewöhnliche, interessante Charaktere, deren Gefühle, Denken und Handlungen jederzeit nachvollziehbar sind und tief berühren. Von Anfang bis Ende habe ich mit Hannes, diesem empfindsamen und begabten Menschen mitgelitten, der zu wenig Kraft hat, um sich selbst und somit seine große Liebe zu retten. Wie oft hätte ich ihn gern getröstet oder in den Hintern getreten und ihm gesagt, dass es nichts bringt, in Selbstmitleid zu ertrinken – genau wie man es bei einer guten Freundin oder einem guten Freund machen würde. Ein paar in meinen Augen unnütze Längen hat das Buch und so lässt Takis Würger den Leser ziemlich lange zappeln, was jedoch angesichts der Schönheit der Geschichte und der außergewöhnlichen, poetischen Sprache als Minuspunkt zu vernachlässigen ist. Eine allwissende Erzählperspektive sorgt dafür, dass man sich in alle Hauptpersonen der Handlung gut einfühlen kann. Wer Liebesgeschichten mag und zudem die Kraft und Schönheit klassischer Musik zu schätzen weiß, dem sei der Roman von Takis Würger wärmstens empfohlen. Ich jedenfalls freue mich darüber, einmal mehr einen neuen Autor entdeckt zu haben, von dem ich sicherlich nicht das letzte Buch gelesen habe.

