Mit „Die Kunst des Verschwindens“ schreibt Melanie Raabe erstmals keinen Krimi, jedoch einen sehr spannenden Roman. Trotz einiger kleiner Mankos landete er für mich völlig zurecht auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Denn die Geschichte von Ellen und Nico zog mich schnell in ihren Bann und fesselte mich bis zum Schluss.

Ellen ist eine berühmte Hollywood-Schauspielerin und Nico ist Fotografin. Beide leben aktuell in Berlin. Als sie sich das erste Mal zufällig begegnen, fühlen sie sofort eine unerklärliche Nähe und Verbindung zueinander. Doch so plötzlich, wie Ellen in Nicos Leben getreten ist, verschwindet sie auch wieder. Nico braucht eine Weile, bis sie begreift, dass sie Ellen unbedingt finden muss und warum das so wichtig ist.

Anfangs war ich etwas skeptisch, da der Plot sowie der Aufbau des Romans – Ellen und Nico erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive – recht simpel aufgebaut zu sein schienen. Auch die beiden Protagonistinnen sowie deren Umfeld sagten mir nicht gerade auf Anhieb zu. Umso überraschter war ich, wie schnell es der Autorin trotz der sehr einfachen Erzähltechnik gelang, Spannung aufzubauen und mich in die Geschichte eintauchen zu lassen. Und spätestens ab dem ersten Drittel konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Da Ellen recht bald verschwindet, ist die Story vorwiegend aus der Perspektive von Nico erzählt. Doch die wenigen, vorherigen Abschnitte aus der Ellen-Perspektive genügen der Autorin, der Leserin oder dem Leser auch die Persönlichkeit von Ellen ausreichend plastisch zu schildern. So konnte ich mich jederzeit sehr gut in beide Charaktere hineinfühlen. „Die Kunst des Verschwindens“ von Melanie Raabe ist ein spannender Unterhaltungsroman im besten Sinne. Einige Mankos hat das Buch dann allerdings doch. Teils produziert die Autorin ein bisschen zuviel Drama durch verschiedene Traumata und Erkrankungen. Auch das Umweltthema packt sie noch recht pathetisch in den Roman. Der letzte Abschnitt ist aus meiner Sicht überflüssig. Doch trotz dieser Punkte ist das Buch für mich eine klare Leseempfehlung.