Schon wieder ein Spiegel-Bestseller von einem Autor, den ich noch nicht kannte. Im Roman von Maxim Leo geht es um eine Karrieristin, der ein 2-wöchiges Achtsamkeitsseminar aufgezwungen wird. Und um einen ausgebrannten Coach, der sie umkrempeln soll. Hört sich nicht gerade originell an. Ist es aber wider Erwarten, dank der humorvollen Erzählweise des Autors und vieler skurriler Begebenheiten.

Die Karriere ist für Marlene Buchholz das einzige Lebensziel. Mit Menschen kann sie nicht, Privatleben hat sie keins. Nach der Arbeit von morgens bis spätabends kommt sie in ihre möblierte Luxussuite zurück, in der ihr Kühlschrank genauso leer ist wie ihr Leben. Wofür man Urlaub braucht, hat sie noch nie verstanden. Einmal hatte sie es versucht, was gründlich in die Hose ging. Ihr Vorgesetzter alter Schule sucht einen Nachfolger. Doch ihm ist es ein Dorn im Auge, dass Marlene menschlich gesehen so eine Nullnummer ist. So verdonnert er sie kurzerhand zu einem 2-wöchigen Achtsamkeitskurs in der Academy, einem Seminaranbieter für Reiche in einem Brandenburger Schloss. Dort trifft sie auf Alex Grow, den charismatischen Coach und Inhaber der Academy. Doch leider fühlt sich dieser total ausgebrannt. Gerade jetzt muss er aber funktionieren, denn er hat sich auf einen Deal eingelassen.

Für mich lebt „Einatmen. Ausatmen.“ vom witzigen Erzählstil von Maxim Leo, vielen skurrilen Charakteren und Begebenheiten und ein paar unerwarteten Wendungen. Für einen weniger begabten Autor hätte der tatsächlich sehr klischeehafte Plot nur eine fade Geschichte ergeben. Doch Maxim Leo schaffte es, dass ich von Anfang an wissen wollte, wie es mit Marlene weitergeht. Fast bis zum Schluss fragte ich mich, was sie nun mit ihrem Leben anfangen würde. Wenig überzeugend fand ich, dass Marlene trotz Alex Überzeugungskraft nicht mehr Widerstand gegen das Coaching leistet. Und an einigen Stellen finde ich die Handlung etwas überfrachtet, als etwa das Umweltthema zusätzlich ins Spiel kommt und eine junge Frau Zuflucht in der Academy sucht. Ansonsten sage ich „Hut ab“ vor einem Roman, den ich ohne Empfehlung sicher nicht gelesen hätte. Einem Buch, das ein klassischer Unterhaltungsroman im besten Sinne und fast immer ein großer Spaß ist. Dank eines Autors, der sein Handwerk versteht.