Thommie Bayer als Autor habe ich erst spät entdeckt. Inzwischen habe ich vier Bücher von ihm gelesen. Als Liebhaberin einer klassischen, schönen Sprache und eines ruhigen Erzählstils bin ich immer wieder begeistert von seinen Geschichten. Endlich schreibe ich die erste Rezension. Ich beginne mit dem Buch, das ich gerade erst aus der Hand gelegt habe: „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“.
In diesem Roman erzählt Thommie Bayer die Geschichte von vier Männern, die seit frühester Jugend miteinander verwoben sind: Wagner (der keinen Vornamen haben will), Thomas, Bernd und Michael. Im Internat, in dem sie sich kennenlernen, gehen sie zunächst zwei Zweierbündnisse ein und bekriegen sich gegenseitig. Eine Krankheit führt dazu, dass sich alle vier zusammenraufen und Freunde werden. Das geschieht vor allem über die Musik. Denn sie entdecken früh, dass sie eine Begabung für das Singen haben. Erste a-cappella-Auftritte in der Schulzeit à la Comedian Harmonists und die darauf folgende Zeit nach der Gründung ihrer eigenen Band schweißen die extrem verschiedenen Charaktere zusammen. Doch verlieben sie sich alle unglücklicherweise in dieselbe Frau. Das lässt ihr Bündnis zusammen mit weiteren Unstimmigkeiten, die das Erwachsenwerden unter Freunden mit sich bringen kann, auseinander brechen. Bei einem Klassentreffen sehen sie sich wieder und fühlen keine Verbundenheit mehr, ja sind sich sogar eher unsympathisch. Doch eine Verkettung von Umständen führt dann doch dazu, dass Michael, aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, die drei ehemaligen Freunde in seine Villa in Venedig einlädt. Als Ghostwriter von Songs hat er das große Geld gemacht. Tragisch ist, dass er für seine große Liebe schreibt, eine inzwischen weltweit bekannte Sängerin. Doch er will nicht, dass sie weiß, wer für sie schreibt. Er kennt sie von früher und sie war damals unerreichbar für ihn. Wenn er sich offenbarte, dann würde er sein Konstrukt der großen, unerfüllten Liebe zerstören, was er nicht will. So begnügt er sich in der Realität mit ein paar Affären und behält die Frau seiner Träume immer im Herzen. Womit wir schon beim Thema der verlorenen Liebe wären, die jeder der drei Männer auf seine Art bewältigt oder auch nicht.
Ich finde es auch bei der Lektüre von „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ bemerkenswert, wie tief Thommie Bayer den Leser in seine Figuren eintauchen lässt. Zwar ist Michael der Hauptdarsteller, doch durch die personale Erzählperspektive kann man sich ausreichend tief in das Innenleben der anderen Personen hinein versetzen und leidet mit ihnen. Sein ruhiger Erzählstil sowie die klassische, schöne Sprache haben mich auch diesmal beeindruckt. Da Thommie Bayer lange als Liedermacher gearbeitet hat, spielen Musik und das Komponieren von Songs in seinen Büchern auch immer eine große Rolle, was ich sehr mag. Zugegeben braucht die Leserin oder der Leser ab dem Teil, als sich alle in Michaels Villa in Venedig aufhalten, einen etwas langen Atem. Auch sollte man bei Thommie Bayer keine fröhlichen Geschichten erwarten, sondern melancholische Romane mit Tiefgang. Für mich jedenfalls ist „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ eine Empfehlung, wenn auch nicht so uneingeschränkt wie einige andere Bücher des Autors, die ich hier hoffentlich auch noch rezensieren werde.
Auch wenn das Thema mich persönlich nicht anspricht, so ist die Rezension wunderbar geschrieben und ich merke die Begeisterung für den Autor und seine Werke, well done.